Notizbuch der Autoren

 

 

 

L'Epicurien - Colmar (Oktober 1017): Das kleine Bistro-Resto, gleich bei der Markthalle um die Ecke macht vieles richtig: unkomplizierter Service, informelle Stimmung, gutes Essen, faire Preise, kein Firlefanz. Ohne Reservieren geht nichts. Über Mittag werden drei Tagesmenüs angeboten: du jour zu 16,50; du marché zu 16,50 und du chef zu 38 Euro. Da ist für jeden was dabei, darunter auch Klassiker wie geschmortes, gabelmürbes Rindfleisch in einer intensiven, aber nicht totreduzierten Sauce. Abends stehen kleine Gerichte zur Wahl (Kalbskopf, Terrine, Lamm mit gegrillten Tomaten). Große Weinauswahl, ein Dutzend Weine auch im Offenausschank, die allerdings nicht  günstig gepreist sind.
    Die tägliche Speisekarte hängt an der Wand, als Menu du Jour gab es neulich: Quiche au Thun als Vorspeise, als Hauptgang Entrecôte mit wok de légumes. Das Entrecôte war perfekt, soigneuse, wie es  Franzosen eben beherrschen, das Gemüse aus dem Wok hatte der Beikoch allerdings aus den Augen verloren, es war nicht gegart, sondern vergart. Hausgemachte Frites hätten besser gepaßt, aber wir sind ja nicht im Café de Paris. Alles war sehr großzügig portioniert, so mußte das Dessert leider ausfallen. Schade, das Sorbet mit den Ananas sah gut aus. (10/2017)

L'Epicurien (Noémie Mann, Nicolas Groell), 11, rue Wickram, 6800 Colmar.
Unbedingt reservieren: Tel. 03.89.41.14.50, http://www.epicurien-colmar.com
RT: So, Mo. Ferien im August

 

 

 


 

Aux Trois Poissons Colmar. Das Traditionshaus am historischen Quai de la Poissonnerie heißt schon seit zwei Jahrhunderten so. Einst gab es hier Berufsfischer, die den Namen von Quai und Gasthaus rechtfertigten – auch das Ockergelb der Fassade hat Tradition: Die Farben der elsässer Fachwerkhäuser  richteten sich einst nach den Zünften: gelb für Fischer, blau für Metzger, grün für Gemüsehändler und weiß für Gerber. So weit, so gepflegt, allerdings granatiert romantische Lage allein bekanntlich noch keine gute Küche. Bei den Drei Fischen gegenüber der Markthalle wäre Argwohn aber fehl am Platz. Das weiß auch der Halter des Kraftfahrzeugs oben – wahrscheinlich ein Stammgast, der hier nur leicht im Halteverbot und kurz über Mittag eingeparkt hat.
   Gilles Seiler hat das Gasthaus bereits 1991 von seinem Vater übernommen, mitsamt jenen Traditionsrezepten, die heute noch auf der Karte stehen wie la salade du pêcheur, la matelote au Riesling et nouilles fines d‘Alsace, la soupe de poissons „maison“. Unter der Woche mittags wird ein Menu Pêcheur serviert, zu mehr als preiswerten 26 Euro. Drei Fische, eine sichere Adresse, klassisch-bürgerlich im guten Sinne (10/2017). 

♦ Aux Trois Poissons (Gilles Seiler), 15, quai de la Poissonnerie, 68000 Colmar, 
Tel. 03.89.41.25.21. http://www.aux-trois-poissons.fr
RT: So, Mo.

 

 


 

 

Notizen und Neues zu unserem Elsaß-Buch,
dazu eine Auswahl bewährter Adressen, die
ich immer wieder mit besten Freunden besuche.


von Cornelia Stauch

Colmar, Marché de la Place de l‘Ancienne-Douane (Oktober 2017). In der vor Jahren renovierten Markthalle (erbaut 1865) fehlt es immer noch an Charme und Patina, auch interessante Neuzugänge gibt es in der sterilen Halle mit dem grellen Licht keine. Bemerkenswerte  Ausnahmen bleiben der Käsestand von Jacky Quesnot und der Geflügelstand der Ferme Schmitt aus Bischoffsheim. Den kleinen Markt im Freien an der Place de l'Ancienne-Douane gibt es aber am Donnerstag­vormittag zum Glück immer noch. Allerdings fehlt mittlerweile der wunderbare Fischstand von André Lameille aus Dieppe mit Spitzenware aus der Normandie. Das Angebot des Nachfolgers Alfred Lauth aus Bischoffsheim ist leider kein gleichwertiger Ersatz.
Neu ist die Terrasse du Marché auf den breiten Treppen zur Lauch hinunter, an der Stelle wo ehemals die Markthändler mit ihren Kähnen in die Stadt kamen, um ihre Ware abzuladen. Ein fabelhafter Platz, der leider unter der kulinarischen Ausführung leidet. Die Terrasse wird vom gleichnamigen  Hallenrestaurant bewirtet – es werden touristengerecht nur Flammkuchen serviert. Wer ein ebenso ordentliches wie atmosphärisch anregendens Marktsrestaurant sucht, muß nach wie vor auf den Markt am Canal Couvert von Mulhouse fahren !

♦ Marché de la Place de l‘Ancienne-Douane
Rue de l’Ecole, 68000 Colmar, http://www.marche-couvert-colmar.fr
Öffnungszeiten: Täglich außer So und Mo
Di, Mi 8 – 18 Uhr , Do 7 – 18 Uhr
Fr 8 – 19 Uhr
Sa 8 – 17 Uhr
Spezieller Erzeugermarkt im Freien um die Markthalle, in der Rue des Vignerons und der Rue des Tanneurs:
Do 7 − 13 Uhr.

 

 

 


 

 

Pasteten & Bellevue in Gueberschwihr. Die Loge über dem Rebmeer liegt am Ortseingang von  Gueberschwihr. Bellevue heißt der einzigartige Aussichtsplatz mit Bewirtung, seit ein paar Jahren ist das Haus unter neuer Führung und alles wirkt seither ein wenig moderner: keine gerafften Vorhänge im Speisesaal, kein Tresen, an dem oft schon morgens ein paar Winzer und Handwerker vom Ort weilten. Aber ich wollte hier sowieso nur auf der Terrasse sitzen, eine Kleinigkeit essen, dazu ein Glas Bier und über das Rebmeer zum Schwarzwald staunen.
Der Plan geht auf, während sich Wandergruppen drinnen durchs Menu kämpfen – wegen meiner Herumtrödelei ist es schon halb drei – wird mir anstandslos ein Teller Crudités auf die Terrasse serviert, samt einer Terrine du Moment, heute eine sehr ordentliche Forestière. Macht zusammen 12,30 Euro, der grandiose Blick ist gratis. Also alles richtig gemacht.

♦ Restaurant Belle Vue, 29 rue des forgerons, 68240 Gueberschwihr
Tel. 03.89.49.31.09, www.bellevue-restaurant.fr
Faire Preise, Mittagsmenu 12,80. Jedes letzte Wochenende im Monat Karpfenessen.
RT: Mo und Di

 

 

 

 


 

Made for walking: Chelsea Boots und Heschung-Fabrikverkauf in Dettwiller

 

Ja, Geschlechter kommen,
Geschlechter gehen,
zwiegenähte Schuhe
 bestehen.
Börries v. Münchhausen (leicht modifiziert)

 

Chelsea Boots heißen die eng sitzenden Stiefel, die ohne Schnürsenkel oder Schnalle auskommen – nur mit elastischem Band am Knöchel und Pull-on-Schleife an der Ferse. Sie sind einfach, praktisch und passen eigentlich zu allem. Die Beatles trugen sie und die Stones – je nach Gusto mit kubanischen Absätzen oder aus Schlangenleder. Queen Victoria soll sie fast täglich getragen haben – Ihre wurden vom hauseigenen Schuhmacher gefertigt, der auch als Erfinder der Chelseas gilt. Meine stammen von der Firma Heschung, der einzigen elsässer Schuhmanufaktur.
Heschung hat als kleine Werkstatt in Dettwiller nordöstlich Straßburg angefangen. 1934 spezialisierte man sich auf Strapazschuhe für Wandern, Jagd und Sport, zwiegenäht, wasserfest und haltbar. Der Rennskiläufer Jean-Claude Killy, der aus dem nahen Sélestat stammt, gewann 1968 seine Goldmedaillen ‘in Heschung’. Längst ist die Heschung Kollektion brei­ter, eleganter und in Teilen auch modischer, damit auch interessant für Damen und Herren, die nicht täglich zur Jagd gehen! Rahmengenähte Stie­fel, aber auch lässige Loafer, Halbschuhe und Mokassins. Viele Modelle sind wie ehedem zwiegenäht, selbst manche Damenschuhe. Ein Loblied auf die Heschung-Verarbeitung, von der Schnüröse bis zur Gelenkfeder, singt manufaktum.de. Mittlerweile ist Heschung in vielen hochpreisigen französischen Modehäusern vertreten.
Deshalb lohnt sich eine Fahrt in diese reichlich entlegene Ecke, denn neben dem ganzjährigen Fabrikverkauf erfreut der günstige Aktionsverkauf (30-50 %), der mehrmals im Jahr in der nüchternen Verkaufshalle am Ortsrand von Dettwiller stattfindet. Ganz aktuell vom 10. bis 18. November 2017. Außerdem gibt es im Outlet von Roppenheim einen Heschung-Laden (A5, Ausfahrt Baden-Baden).

Bei der Reiseplanung berücksichtigen: In der Firma in Dettwiller wird die Mittagsruhe strikt eingehalten und in der näheren Umgebung fehlt ein Gasthaus für die Mittagspause. Dagegen gibt es – sofern es nicht Straßburg sein soll – zwei, drei sehr gute Adressen in Sélestat, Osthouse und auf dem Weg nach Offenburg. Bei gutem Timing und mit Einkehr wird der Einkauf bei Heschung zur Tagesfahrt.

Heschung (Magasin de Vente de la Manufacture Heschung), 67490 Dettwiller (40 km nw Straßburg), route de Saverne/2, rue de l‘Industrie, Tel. 03.88.71.99.96. Für die Sonderverkäufe ist eine Registrierung als Kunde notwendig: http://serviceclient@heschung.com
Ladenzeiten: Mo bis Fr 9-12 und 13.30-18 Uhr, Sa 9-18 Uhr.
Damen-, Herren- und Kinderschuhe aus eigener, französischer Produktion (erweitert um diverse Fremdmarken).
Ganzjährig günstige Fabrikpreise und zweimal im Jahr Aktionsverkauf mit Angeboten, die nochmals um 30 Prozent reduziert sind (im Spätherbst und im Juli, genaue Termine tel. erfragen).

Winstub Au Bon Pichet (Franck und Roland Barthel)
10, pl. du Marché aux Choux, 67600 Sélestat. Keine Homepage, keine Email-Adresse. Einfach anrufen: Tel. 03.88.82.96.65. Schlicht die beste gutbürgerliche Einkehr im Elsass.
RT: So, Mo-Abend. Preise: Günstig bis mittel.

À l'Aigle d'Or (M. et Mme Arbogast-Hellmann)
67150 Osthouse, 14, rue de Gerstheim (nahe der RN 83 Strasbourg-Sélestat), Tel. 03.88.98.06.82.
Typ: Gehoben bürgerlicher Landgasthof mit einer selten gediegenen Weinstube. Im Restaurant gehoben-regionale Küche. Angenehme Weinstube, dort günstiger Mittagstisch, Sa- und So-Abend Flammkuchen aus dem Holzofen. Gänseleberpastete zum Mitnehmen.
Preise: mittel -  gehoben.
RT: Mo-Abend, Di.

Au Pont de l‘Ill (M. und Mme Daull), 2, rue du Général Leclerc, 67610 La Wantzenau, Tel. 03.88.96.29.44, http://www.aupontdelill.com
Preise: mittel-hoch, preiswertes Mittagsmenu. RT: Sa-mittag, im August 3 Wochen geschlossen.
 
 

 

 


 

Fabrikverkauf Staub - Turckheim

 

Les plus belles cocottes du monde
 

Seit 1974 produziert Staub wunderschöne Cocottes (Brat- und Schmortöpfe) aus emailliertem Gußeisen, außerdem Casserollen natur oder emailliert, Töpfe, Bräter und emaillierte Gußeisenpfannen aller Größen, auch Fonduegeschirr, Gratinierformen und klassische Gugelhupf-Formen aus Keramik. Namen wie Paul Bocuse, Haeberlin und Ducasse sind von Staubs Hartware  begeistert.Seit 2008 gehört Staub zur deutschen Marke Zwilling, dem Messer- und Scherenproduzenten aus Solingen (gegr. 1731; ebenso die französische Firma Fontignac, die auch Cocottes herstellt, dazu noch (Grill-)Pfannen und Woks). Die Produkte der drei Hersteller werden im Werksladen in Turckheim zum günstigen Fabrikpreis angeboten. Auch 2. Wahl – allerdings nur bei den Staub-Produkten. Für Koch- und Küchenfreunde eine Pflichtadresse. Noch dazu, wenn es Sonderangebote mit bis zu 50 Prozent Ermäßigung gibt - ein Fest für die ganze Familie (siehe Fotos unten).  
    Das Prinzip der Cocottes: Der spezielle Deckel mit dem Edelstahlknopf hat innen kleine Dornen, an denen sich Kondenswasser sammelt und während des Schmorens immer wieder abtropft, das Kochgut trefflich benetzend. Ein Prozess, der für besonders saftiges und zartes Fleisch sorgt, Gemüse fällt nicht zusammen. Soviel Werbung muß sein – eine Cocotte ist nicht nur schön anzusehen, sondern läßt auch ohne lange Erfahrung Schmorgerichte und Eintöpfe meisterlich gelingen! Mitgeliefert werden ein paar kinderleichte Rezepte wie Osso Bucco oder Brathähnchen in Weißweinsauce.
    Probieren Sie es selbst: Man nehme ein ganz einfaches Poulet, es muß keines der gepriesenen (Bresse-)Hühner sein, sondern ein ganz normales regionales Poulet Fermier. Das gibt es im Elsaß auf allen Märkten zu kaufen, so z.B. auf dem Freitagsmarkt vor den Stadttoren von Turckheim. Hier könnte man bei der Geflügelferm Goettelmann gleich noch das in die Cocotte passende Huhn mitnehmen, ein feines Dinkelbaguette vom Biobäcker Turlupain und vielleicht noch Nicoiser Oliven vom Händler aus der Provence. Auch dafür gibt’s bei Staub sehr hübsche Schälchen.
    Wer nicht selbst am Herd stehen möchte, kann sich so ein ‚poulet facon Francis Staub’ im Restaurant  Aux Armes de France in Ammerschwihr servieren lassen – mit feinen Frittes und grünem Salat (für zwei Personen: 50 Euro).

Staub, 2, rue St. Gilles, 68230 Turckheim. Öffnungszeiten: Mo bis Sa 10-12.30 und 14-18.30 Uhr. http://www.staub.fr, Tel. 03.89.27.77.71.

Aux Armes de France (Fam. Gaertner), 1, Grand` Rue, 68770 Ammerschwihr. Tel. 03.89.47.10.12, http://www.aux-armes-de-france.com  Faire Preise, günstiges Mittagsmenu (19 Euro) und Plat du Jour (11 Euro). Zum Mitnehmen: diverse Gänseleberterrinen. RT: Mi, Do.
 
 

 

 

 


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